COLREG Regel 23 erklärt — Lichter für in Fahrt befindliche Maschinenfahrzeuge
Ein verständlicher Leitfaden zu COLREG Regel 23: welche Navigationslichter ein in Fahrt befindliches Maschinenfahrzeug genau führen muss, warum es zwei Topplichter gibt und welche vereinfachten Optionen für Kleinfahrzeuge, Luftkissenfahrzeuge und WIG-Fahrzeuge gelten.
- Was besagt Regel 23 eigentlich?
- Die Standard-Lichteranordnung
- Warum zwei Topplichter?
- Optionen für Kleinfahrzeuge (unter 12 m, unter 7 m)
- Luftkissenfahrzeuge und WIG-Fahrzeuge
- Maschinen- vs. Segelfahrzeug — die Lichter lesen
- Wie Regel 23 mit den Regeln 24–31 zusammenhängt
- Prüfungstipps und häufige Verwechslungen
- Lichtererkennung im Simulator üben
- Häufig gestellte Fragen
Was besagt Regel 23 eigentlich?
COLREG Regel 23 — förmlich „In Fahrt befindliche Maschinenfahrzeuge" — definiert die Lichter und (sinngemäß) die nächtliche Erkennbarkeit des häufigsten Fahrzeugs, das Ihnen auf See begegnet: ein durch Maschinenkraft fortbewegtes Fahrzeug. Es steht am Anfang des Blocks „Lichter und Signalkörper" der COLREG (Regeln 20–31), und fast jede andere Lichterregel wird als Abwandlung von Regel 23 beschrieben.
Regel 23 richtig zu beherrschen, ist aus zwei Gründen wichtig. Erstens müssen Sie selbst die richtigen Lichter führen, damit andere Sie erkennen und ausweichen können. Zweitens — und hier beginnen die meisten sich anbahnenden Zusammenstöße — müssen Sie die Lichter eines anderen Fahrzeugs richtig deuten, um zu wissen, um welchen Fahrzeugtyp es sich handelt, was dann bestimmt, wer nach Regel 18 ausweichpflichtig ist.
Die Standard-Lichteranordnung
Regel 23(a): ein in Fahrt befindliches Maschinenfahrzeug muss führen —
- (i) ein Topplicht vorn — ein weißes Licht, das über einen Bogen von 225° nach vorn und zu jeder Seite scheint;
- (ii) ein zweites Topplicht achterlicher und höher als das vordere — vorgeschrieben für Fahrzeuge von 50 m oder mehr; ein Fahrzeug unter 50 m darf es führen, ist dazu aber nicht verpflichtet;
- (iii) Seitenlichter — ein rotes Licht an Backbord und ein grünes Licht an Steuerbord, jedes über 112,5° von voraus bis knapp achterlicher als querab;
- (iv) ein Hecklicht — ein weißes Licht, das über 135° nach achtern scheint.
Zusammengenommen decken die Seitenlichter (2 × 112,5° = 225°) und das Hecklicht (135°) die vollen 360° rund um das Fahrzeug ab, während das Topplicht bzw. die Topplichter den vorderen 225°-Bereich wiederholen. Diese Überlappung ist beabsichtigt: Sie ermöglicht es einem Beobachter, die Ansicht des Fahrzeugs zu bestimmen — ob es genau auf einen zuhält, kreuzt oder einem das Heck zeigt.
In Fahrt befindliches Maschinenfahrzeug — die Lichter auf einen Blick
- Topplicht (vorn) — weiß, 225°, scheint nach vorn
- Zweites Topplicht (achtern, höher) — weiß, 225° — vorgeschrieben ≥ 50 m
- Backbord-Seitenlicht — rot, 112,5°
- Steuerbord-Seitenlicht — grün, 112,5°
- Hecklicht — weiß, 135°, scheint nach achtern
Warum zwei Topplichter?
Das zweite Topplicht ist keine Zierde. Da es achterlicher und höher als das vordere angebracht ist, geben Ihnen die beiden Lichter einen wertvollen Anhaltspunkt über den Kurs eines Fahrzeugs bei Nacht und auf Distanz:
- Wenn die beiden weißen Topplichter senkrecht in einer Linie stehen (eines direkt über dem anderen), hält das Fahrzeug genau auf Sie zu — es kommt entgegen.
- Wenn sie horizontal weit voneinander getrennt sind, sehen Sie das Fahrzeug querab — eine Kreuzansicht.
- Die Richtung des Versatzes (welches Licht sich links oder rechts vom anderen befindet) sagt Ihnen, in welche Richtung es fährt.
Deshalb müssen große Fahrzeuge beide Lichter führen: Auf den Entfernungen, in denen Supertanker und Containerschiffe erkannt werden, ist der Anhaltspunkt der zwei Topplichter oft deutlicher als die Seitenlichter, die möglicherweise noch nicht unterscheidbar sind.
Optionen für Kleinfahrzeuge (unter 12 m, unter 7 m)
Regel 23(d) gibt kleineren Maschinenfahrzeugen vereinfachte Optionen und trägt dem Umstand Rechnung, dass ein 6-m-RIB keine ordentliche zweistufige Topplichteranordnung aufnehmen kann:
| Fahrzeug | Zulässige Lichter |
|---|---|
| Unter 12 m | Darf anstelle des getrennten Topplichts und Hecklichts ein weißes Rundumlicht plus Seitenlichter führen. Das weiße Rundumlicht ersetzt sowohl Topplicht als auch Hecklicht. |
| Unter 7 m, Höchstgeschwindigkeit ≤ 7 Knoten | Darf ein weißes Rundumlicht allein führen und muss, soweit durchführbar, auch Seitenlichter führen. |
| Unter 12 m — Anordnung der Lichter | Das Topplicht oder das weiße Rundumlicht darf aus der Mittellängsebene versetzt sein, wenn eine Montage auf der Mittellinie nicht durchführbar ist. |
Luftkissenfahrzeuge und WIG-Fahrzeuge
Zwei besondere Maschinenfahrzeuge fügen den Lichtern nach Regel 23(a) ein zusätzliches Licht hinzu:
- Luftkissenfahrzeug (Hovercraft) im Nicht-Verdrängungsmodus — Regel 23(b) — führt zusätzlich ein gelbes, allseitig sichtbares Funkellicht. Ein Luftkissenfahrzeug, das auf seinem Luftkissen „fliegt", kann sich unvorhersehbar bewegen und drehen, daher warnt das gelbe Funkellicht andere Fahrzeuge, ihm weiträumig auszuweichen.
- WIG-Fahrzeug (Wing-In-Ground) — Regel 23(c) — führt nur beim Starten, Landen und im Flug nahe der Oberfläche zusätzlich ein rotes, allseitig sichtbares Funkellicht hoher Leuchtkraft. Die übrige Zeit, wenn es als Verdrängungsfahrzeug auf dem Wasser operiert, führt ein WIG-Fahrzeug die gewöhnlichen Lichter nach Regel 23(a).
Maschinen- vs. Segelfahrzeug — die Lichter lesen
Das mit Abstand Nützlichste, das Regel 23 Ihnen vermittelt, ist die Fähigkeit, bei Nacht ein Maschinenfahrzeug von einem Segelfahrzeug zu unterscheiden — denn das entscheidet über die Ausweichreihenfolge nach Regel 18.
| Sie sehen … | Das Fahrzeug ist … | Regel |
|---|---|---|
| Weißes Topplicht/weiße Topplichter + Seitenlichter + Hecklicht | Maschinenfahrzeug in Fahrt | Regel 23 |
| Seitenlichter + Hecklicht, kein Topplicht | Segelfahrzeug in Fahrt | Regel 25 |
| Weißes Rundumlicht + Seitenlichter (Kleinfahrzeug) | Maschinenfahrzeug unter 12 m | Regel 23(d) |
Denken Sie daran: Ein Segelfahrzeug, das seine Maschine einschaltet, wird nach den COLREG in dem Moment zum Maschinenfahrzeug, in dem die Maschine es fortbewegt — und es muss dann Topplicht(er) führen und sich nach Regel 23, nicht nach Regel 25, richten, selbst wenn die Segel noch gesetzt sind. Bei Tag muss es den Maschinensignalkörper (Kegel) führen (Regel 25(e)).
Wie Regel 23 mit den Regeln 24–31 zusammenhängt
Nahezu alle anderen Lichterregeln bauen auf der Grundlage von Regel 23 auf:
- Regel 24 — Schleppen und Schieben: ein schleppendes Fahrzeug ersetzt das einzelne Topplicht durch zwei (oder drei) senkrecht übereinander und fügt ein gelbes Schlepplicht hinzu.
- Regel 25 — Segelfahrzeuge und Fahrzeuge unter Riemen: Seitenlichter und Hecklicht, kein Topplicht; optional rot-über-grün im Topp.
- Regel 26 — Fischereifahrzeuge: grün-über-weiß (Schleppnetzfischerei) oder rot-über-weiß (sonstige Fischerei), plus Lichter im Stil von Regel 23, wenn sie Fahrt durchs Wasser machen.
- Regel 27 — manövrierunfähige und manövrierbehinderte Fahrzeuge: zwei rote (manövrierunfähig) oder rot-weiß-rot (manövrierbehindert) allseitig sichtbare Lichter, plus Lichter nach Regel 23, wenn sie Fahrt durchs Wasser machen.
- Regel 28 — tiefgangbehinderte Fahrzeuge: drei rote, allseitig sichtbare Lichter zusätzlich zu den Lichtern nach Regel 23.
Mit anderen Worten: Beherrschen Sie zuerst Regel 23, und der Rest der Lichterregeln wird zu „Regel 23 plus ein Signal".
Prüfungstipps und häufige Verwechslungen
Regel 23 taucht in den Prüfungen zum Day Skipper, Coastal Skipper, Yachtmaster und in STCW-Decksprüfungen auf — häufig als nächtliche Lichtererkennungsfrage. Wo Prüflinge Punkte verlieren:
- Die 50-m-Schwelle vergessen. Das zweite Topplicht ist nur ab 50 m und darüber vorgeschrieben. Darunter ist es freiwillig — viele Fahrzeuge unter 50 m führen es trotzdem.
- „Weißes Rundumlicht" mit einem Topplicht verwechseln. Bei einem Kleinfahrzeug ersetzt das einzelne weiße Rundumlicht sowohl das Topplicht als auch das Hecklicht — es ist kein Topplicht, und das Fahrzeug ist dennoch ein Maschinenfahrzeug.
- Annehmen, dass ein fehlendes Topplicht ein Problem bedeutet. Kein Topplicht bedeutet in der Regel ein Segelfahrzeug (Regel 25), nicht ein defektes Maschinenfahrzeug.
- Das gelbe Funkeln des Luftkissenfahrzeugs übersehen. Gelbes, allseitig sichtbares Funkeln = Luftkissenfahrzeug im Nicht-Verdrängungsmodus, kein Signal für einen besonderen Zweck.
- Ein Fahrzeug unter Segel und Maschine als Segelfahrzeug behandeln. Unter Maschine ist es ein Maschinenfahrzeug und führt Lichter nach Regel 23, mit oder ohne gesetzte Segel.
Lichtererkennung im Simulator üben
Lichter aus einem Buch zu lesen, ist eine Sache; sie auf einem bewegten nächtlichen Brückenbild auf Distanz zu erkennen, ist eine andere. Der AIS-/Radar-/COLREG-Brückensimulator von SkipperCheck übt genau das — einschließlich eigener Szenarien für die Lichter von Maschinenfahrzeugen:
- Lichter eines Maschinenfahrzeugs — die Grundlage nach Regel 23(a)
- Maschinenfahrzeug vs. Segelfahrzeug — an ihren Lichtern unterscheiden
- Lichter eines schleppenden Fahrzeugs — Regel 24 zusätzlich zu Regel 23
- Ankerlichter — Regel 30, zum Vergleich
Der Simulator ist Teil des Skipper-Auffrischungskurses. Kostenlose Demo-Szenarien lassen Sie die Brückenoberfläche zuerst ausprobieren.
COLREG-Lichter im Brückensimulator trainieren
54 Szenarien, einschließlich der Erkennung von Lichtern für Maschinen-, Segel-, Schlepp-, Fischerei-, manövrierbehinderte, manövrierunfähige Fahrzeuge sowie Ankerlichter. Theorie im eigenen Tempo und eine praktische Online-Prüfung.
Zum Skipper-Auffrischungskurs →Häufig gestellte Fragen
Was ist COLREG Regel 23?
Regel 23 — „In Fahrt befindliche Maschinenfahrzeuge" — legt die Lichter fest, die ein Maschinenfahrzeug führen muss: ein Topplicht vorn, ein zweites, höheres Topplicht achtern (vorgeschrieben ab 50 m), Seitenlichter (rot Backbord / grün Steuerbord) und ein Hecklicht. Luftkissen- und WIG-Fahrzeuge fügen ein Funkellicht hinzu; Kleinfahrzeuge haben vereinfachte Optionen.
Wie viele Topplichter führt ein Maschinenfahrzeug?
Ab 50 Metern zwei — eines vorn und ein zweites achterlicher und höher. Unter 50 Metern mindestens eines vorn; das zweite ist freiwillig. Die Anordnung mit zwei Lichtern hilft, bei Nacht den Kurs und die Ansicht eines Fahrzeugs einzuschätzen.
Welche Lichter führt ein Maschinenfahrzeug unter 12 Metern?
Nach Regel 23(d) darf ein Maschinenfahrzeug unter 12 m anstelle der vollständigen Anordnung aus Topplicht und Hecklicht ein weißes Rundumlicht plus Seitenlichter führen. Ein Fahrzeug unter 7 m mit einer Höchstgeschwindigkeit von 7 Knoten oder weniger darf ein weißes Rundumlicht allein führen, und Seitenlichter, soweit durchführbar.
Welches zusätzliche Licht führt ein Luftkissenfahrzeug?
Ein Luftkissenfahrzeug im Nicht-Verdrängungsmodus führt zusätzlich zu seinen normalen Lichtern nach Regel 23(a) ein gelbes, allseitig sichtbares Funkellicht. Ein WIG-Fahrzeug, das startet, landet oder nahe der Oberfläche fliegt, führt ein rotes, allseitig sichtbares Funkellicht hoher Leuchtkraft.
Wie unterscheide ich bei Nacht ein Maschinenfahrzeug von einem Segelfahrzeug?
Achten Sie auf das weiße Topplicht. Ein Maschinenfahrzeug führt ein oder zwei Topplichter plus Seitenlichter und ein Hecklicht. Ein Segelfahrzeug führt Seitenlichter und ein Hecklicht, aber kein Topplicht. Eine Segelyacht unter Maschine (Maschine eingekuppelt) gilt als Maschinenfahrzeug und muss Topplichter führen.
Gilt Regel 23 für eine Yacht unter Maschine?
Ja. In dem Moment, in dem die Maschine einer Segelyacht sie fortbewegt, ist sie für die Zwecke der COLREG ein Maschinenfahrzeug und muss Lichter nach Regel 23 führen — selbst mit gesetzten Segeln. Bei Tag führt sie den Maschinensignalkörper, Kegel mit der Spitze nach unten (Regel 25(e)).
Weiterführende Lektüre
- COLREG Regel 24 erklärt — Lichter beim Schleppen und Schieben — die nächsthöhere Regel
- COLREG Regel 18 erklärt — Verantwortlichkeiten der Fahrzeuge untereinander — wer wem ausweicht
- Short Range Certificate (SRC) — Vollständiger Leitfaden — die UKW-/VHF-Funkqualifikation für die Seefahrt
- Maritimes Glossar — Begriffe zu Segeln, COLREG, VHF und Navigation
Lernen Sie, jedes Licht auf See zu lesen
Der Online-Skipper-Auffrischungskurs von SkipperCheck umfasst den AIS-/COLREG-Brückensimulator mit Szenarien für Maschinen-, Schlepp-, Fischerei-, manövrierbehinderte, manövrierunfähige Fahrzeuge sowie Ankerlichter. Im eigenen Tempo, Online-Prüfung, bereit für die Charter.
Skipper-Auffrischung starten →